EMDR


Das EMDR-Behandlungsverfahren (EMDR= eye movement desensitization and reprocessing) wurde von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro entwickelt und seit 1989 als manualisiertes Therapieverfahren zur Behandlung von Patienten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD) und anderen traumabezogenen Symptomen eingesetzt. Die Grundvorgehensweise besteht darin, dass der Patient in der Sicherheit einer haltgebenden therapeutischen Beziehung eine Konfrontation mit seinen traumatischen Erinnerungen erlebt. Ziel der Traumabearbeitung ist die Integration von kognitiven, emotionalen und körperlichen Reaktionen auf das Trauma indem die Erinnerungen wiederbelebt, wahrgenommen und verarbeitet werden. Anders formuliert, wird die durch das Trauma induzierte Dissoziation wieder aufgehoben. Die in der traumatischen Situation unterbrochene Verbindung zwischen Wahrnehmungen, Gedanken, Emotionen und Körperreaktionen wird wieder hergestellt. Danach erfolgt eine Bearbeitung von dysfunktionalen Kognitionen, wie z.B. von Schuldgefühlen, die auf unrealistischen Einschätzungen der traumatischen Situation beruhen (Shapiro 1998). Abweichend von der klassischen verhaltenstherapeutischen Traumaexposition werden im EMDR die Traumaexpositionsphasen nur relativ kurz (30 – 90 sec) durchgeführt und durch bilaterale Stimulierung in Form von Augenbewegungen (der Hand des Therapeuten mit den Augen folgen) oder durch alternative Berührungsreize auf die linke und rechte Hand (sog. Tapping) oder durch alternativ dargebotene Töne ausgelöst.

Die Wirksamkeit der EMDR-Behandlung bei Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung ist inzwischen in über 20 kontrollierten Studien untersucht und, auch hinsichtlich der Ergebnisse des Langzeitverlaufes überzeugend nachgewiesen (Van Etten und Taylor 1998). Die ISTSS (International Society for Traumatic Stress Studies) empfiehlt in ihren Behandlungsleitlinien die EMDR-Behandlung neben verhaltenstherapeutischen Expositionsverfahren als Therapieverfahren der Wahl bei PTSD (Foa et al. 2000). Bislang konnten jedoch spezifische Effekte der bilateralen Stimulierung und die Frage deren Notwendigkeit für den Behandlungserfolg nur unzureichend empirisch belegt werden. Die insgesamt 20 vorliegenden Studien, zur Frage der spezifischen Wirkung der bilateralen Stimulierung (sogenannte 'dismantling studies') weisen entweder gravierende methodische Mängel auf, oder wurden mit so geringen Probandenzahlen, bzw. an gesunden Probandengruppen durchgeführt, dass ihre Ergebnisse keine Allgemeingültigkeit beanspruchen können (Übersicht bei Maxfield 2002).

Aus diesem Grund haben wir die Förderung einer Studie zur Untersuchung von Wirksmechanismen der EMDR-Behandlung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt, die seit Januar 2010 mit einer Laufzeit von insgeamt 3 Jahren gemeinsam mit der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Gießen (Prof. Kruse) durchgeführt wird.